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Starke Frau(en)?! Familienernährerinnen verdienen mehr Wertschätzung!
 

Auf den Punkt gebracht…

Die 48-Jährige Sekretärin aus Niedersachsen lebt als Familienernährerin in einer Partnerschaft und hat zwei Kinder im Alter von 10 und 17 Jahren. Ihr Mann ist derzeit arbeitsuchend und bezieht monatlich 300 Euro. Die zur Sekretärin ausgebildete Familienernährerin arbeitet mit einer durchschnittlichen Stundenanzahl von 30 Stunden pro Woche in Teilzeit. Sie verdient monatlich 1.350 Euro netto.

 

Frau S. berichtet von positiven Erfahrungen mit ihrem Arbeitgeber, von dem sie viel Verständnis für ihre Situation als Familienernährerin erhält. Besonders wichtig ist es ihr, dass sie die Möglichkeit hat, einmal pro Woche von zu Hause ihrer Arbeit nachgehen zu können, um somit Beruf und Familien besser vereinbaren zu können.

„Von Seiten des Vorgesetzten erhalte ich viel Verständnis, wenn ich meine Arbeitszeiten den Familienerfordernissen hin und wieder anpassen muss. Es ist schon ein Privileg als Sekretärin einen Telearbeitsplatz einmal pro Woche zu haben.“

Auf der anderen Seite macht die 48-Jährige auch negative Erfahrungen. So hat sie in ihrer Position als Sekretärin kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Dabei ist es für sie als Hauptverdienerin und Alleinverantwortliche für die finanzielle Situation der Familie wichtig, Erwerbsperspektiven mit einem höheren Verdienst zu haben. Zudem bestehen in ihrer beruflichen Position keine finanziellen Anreize ihre Arbeitzeit auszuweiten. Vielmehr befürchtet sie durch eine Arbeitszeitaufstockung eine Arbeitsverdichtung, die zu Lasten ihrer Familie gehen würde. Unter einer Mehrfachbelastung leidet Frau S. ohnehin schon, wie aus ihren Aussagen hervor geht:

„Es ist sehr schwierig oder sogar unmöglich aus meiner Position heraus wieder in eine besser bezahlte Sachbearbeiterposition zu kommen. Schlechte Bezahlung und zu wenig Wertschätzung herrscht hier vor. Außerdem gibt es zu wenig Anreize mehr zu arbeiten. Das lohnt sich finanziell nicht und ist bei der Arbeitsverdichtung kräftemäßig nicht leistbar. Meine Kinder müssen neben der Schule, wo sie nahezu ganztags sind (bis 16/17 Uhr an 3-4 Tagen), noch zur Lerntherapie, zum KFO, zur Desensibilisierung und zum Sport oder zum Musikunterricht. Diese Dinge werden nicht von der Schule abgedeckt. Der Haushalt muss am Ende auch noch gemacht werden.
Gutbezahlte Vorgesetzte leben diesbezüglich zunehmend weltfremd und egoistisch. Aussagen wie, ich solle mir doch eine Tagesmutter oder ein Au-Pair nehmen um Vollzeit zu arbeiten, haben nichts mit meinem Alltag zu tun.“

Nach Frau S. müsse die Politik dafür sorgen, dass sich eine Aufstockung der Arbeitsstunden finanziell lohnt. Für die Familienernährerin gilt der Grundsatz: mehr Arbeit = mehr Lohn. In ihrem konkreten Fall verfügt sie mit ihrer Dreiviertelstelle und staatlichen Zuschüssen über ein größeres Haushaltseinkommen, als mit einer Vollzeitbeschäftigung. So berichtet sie:

„Es müsste ein Anreizsystem auch für niedrigere Einkommen geben, Vollzeit zu arbeiten. In meinem Fall zum Beispiel sollte zumindest die monetäre Differenz zu den staatlichen Leistungen, die ich bei weniger Stunden Arbeit bekomme, ausgeglichen bzw. einfach entsprechend aufgestockt werden. Bei einer 75 Prozent Stelle mit Wohngeld, Kindergeld, Fahrkosten, Büchergeld und Zuschüssen zu Klassenfahrten habe ich am Ende mehr Geld und vor allem Zeit als mit einer 100 Prozent Stelle. Mit 100 Prozent bekomme ich all diese Unterstützungsleistungen nicht mehr, so dass ich netto deutlich weniger habe und keine Zeit mehr für die Kinder, Arztbesuche, Krankengymnastik usw. habe.“

Nach der Familienernährerin müsste ihre Leistungen im Beruf stärker honoriert werden. Zudem bedarf es zumindest in ihrem Beruf an Möglichkeiten zur Telearbeit. Außerdem macht sich die Familienernährerin für mehr Fortbildungsangebote stark. Durch einen fortlaufenden Lernprozess durch Fortbildungen steigt die Qualifikation am Arbeitsplatz und damit – im Idealfall- die Bezahlung, so Frau S. :

„Ich möchte eine angemessene Bezahlung und noch mehr Möglichkeiten zur Telearbeit. Außerdem sollte es bessere Fortbildungsangebote sowie eine bessere Aufklärung zu Fortbildungsangeboten geben. Die Teilnahme an einer Weiterbildung sollte entsprechend honoriert werden und sich langfristig auch in der Bezahlung äußern. Bestimmte Ausbildungsgänge und/ oder eine entsprechende Berufserfahrung sollten mit einem Bachelorabschluss gleichgesetzt werden, was die Anerkennung und Bezahlung angeht.
In meinem Arbeitsumfeld sollte es letzten Endes bessere soziale Bedingungen, gesundheitserhaltende Maßnahmen, Vertretungsregelungen und Entwicklungsmöglichkeiten geben.“


 

Die Familienernährerin mit zwei Kindern und einen erwerbsunfähigen Mann übernimmt mit ihrer Dreiviertelstelle die volle finanzielle Verantwortung für ihre Familie. Daraus ergibt sich ihre Forderung nach einer existenzsichernden Bezahlung und bessere Aufstiegschancen. Zudem macht sich die Hauptverdienerin stark für Heimarbeit, durch die es gelingt, Beruf und Familie zu vereinbaren.

 
 
DGB Frauen