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Familienernährerinnen auf dem Arbeitsmarkt

Frauen sind heute sehr gut ausgebildet. Sie wollen erwerbstätig sein und ihr eigenes Geld verdienen. Aber: Noch immer sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht gleichgestellt. Minijobs, die schlechte Entlohnung weiblich dominierter Berufe und Branchen, die häufige und oft unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung, ihre Unterrepräsentanz in Führungspositionen, lange familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und eine anhaltend hohe Entgeltlücke in Deutschland führen für Frauen zur Benachteiligung am Arbeitsmarkt und beim Verdienst. Was gleichstellungspolitisch schon lange Gegenstand von Kritik ist, gewinnt angesichts der Situation von Familienernährerinnen an Brisanz. Denn wie sollen Frauen unter schlechteren Voraussetzungen das Gleiche schaffen wie Männer: sich selbst, ihre Kinder und ihren Partner finanziell absichern?

 

Fest steht: Frauen müssen unter anderen Bedingungen ihre Familie absichern. Gleichstellung von Frauen und Männern? Weit gefehlt.

Das Phänomen der Familienernährerin weist zugleich auf Chancen und Herausforderungen hin, indem es die bestehenden gleichstellungspolitischen Lücken auf dem Arbeitsmarkt deutlich macht. Frauen sind schon lange keine bloßen Zuverdienerinnen mehr, sondern wollen finanziell auf eigenen Beinen stehen. Die eigenständige Existenzsicherung von Frauen muss Normalität werden. Der Blick auf die Erwerbstätigkeit von Frauen muss sich ändern, denn sie tragen längst existenziell zum Familieneinkommen bei. Jede Frau kann heute im Lebensverlauf Familienernährerin werden!

 
 

1. Niedriglohn

Wer arbeitet, kann von seinem Lohn leben - was einmal selbstverständlich war, gilt heute längst nicht mehr für alle Beschäftigten. Der wachsende Niedriglohnsektor macht immer mehr Menschen am Ende des Monats sprichwörtlich einen Strich durch die Rechnung. Er führt dazu, dass eine finanzielle Absicherung der Familie schwieriger wird. Beschäftigte, die einen Niedriglohn beziehen, verdienen im Westen weniger als 9,50 Euro brutto die Stunde, im Osten sind es sogar nur 6,87 Euro.

 

Von 1995 bis 2008 ist der Anteil an allen abhängig Beschäftigten, die zu einem solchen Niedriglohn arbeiten, von knapp 15 auf 21 Prozent gestiegen.(1)

Es überrascht daher nicht, dass in den meisten Paarhaushalten in Deutschland (63 Prozent) mittlerweile beide Partner erwerbstätig sind. In Ostdeutschland liegt ihr Anteil etwas höher (65 Prozent) als in Westdeutschland (62 Prozent).(2) Die Bedeutung zweier Einkommen und damit die Erwerbstätigkeit von Frauen steigen im Familienzusammenhang.

 
 

Niedriglöhne vor allem in Ostdeutschland

Im Jahr 2008 wurden in den neuen Bundesländern 20 Prozent aller abhängig Beschäftigten zu Niedriglöhnen beschäftigt, in den alten Bundesländern waren es 21 Prozent. Legt man deutschlandweit eine einheitliche Niedriglohnschwelle von rund 9 Euro zugrunde – stiege der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in Ostdeutschland auf knapp 40 Prozent.(1)

 

Die Wahrscheinlichkeit, mit seiner Erwerbsarbeit kein ausreichendes Einkommen zu beziehen, ist in Ostdeutschland also deutlich höher. Die prekäre Lohnstruktur in den neuen Bundesländern ist vermutlich ein Grund dafür, warum Familienernährerinnen-Konstellationen dort häufiger zu finden sind als in Westdeutschland.

 
 

Erwerbstätigkeit von Frauen besonders häufig schlecht entlohnt

Knapp zwei Drittel aller Niedriglohnbeschäftigten sind weiblich.(1) Frauen sind also besonders häufig zu geringeren Entgelten beschäftigt – nicht zuletzt, weil Niedriglöhne überproportional häufig in frauendominierten Branchen wie dem (Einzel)Handel sowie in sozialen und erzieherischen Berufen gezahlt werden.(3) Wo Frauen (und Männer) von ihrem Einkommen eine Familie absichern sollen, sind Stundenlöhne von unter sieben Euro besonders problematisch. Es gibt zwar keine statistischen Werte zur Anzahl von Familienernährerinnen im Niedriglohnbereich, aber Studien zufolge verfügen knapp zwei Drittel aller Hauptverdienerinnen in Mehrpersonenerwerbshaushalten mit Partner über ein individuelles Nettoeinkommen von unter 1.600 Euro. 30 Prozent der Familienernährerin liegt sogar unter 900 Euro.(2)

Ein Beispiel für eine ostdeutsche Niedriglohnbezieherin ist Frau Baum. Sie trägt die finanzielle Verantwortung für sich und ihren neunjährigen Sohn. Als Personalvermittlerin für medizinisches Personal ist sie bei einer Leiharbeitsfirma angestellt, bei der sie für 40 Wochenarbeitsstunden einen Nettolohn von 1.100 Euro erhält. Das entspricht einem Stundenlohn von nur 6,40 Euro.(3) Wie eng das Familienbudget vieler Hauptverdienerinnen bei solch einem Niedriglohn ist, macht Frau Baum deutlich:

"Ich habe am 31. mein Geld bekommen und am 1. war es weg. Weil sämtliche Rechnungen davon abgedeckt wurden. Und dann habe ich immer gedacht, hm, hast jetzt vier Wochen wieder umsonst gearbeitet. Ich konnte manchen Monat auch nicht 100 Euro abholen. Es ging nicht."
Frau Baum

Ähnlich stehen Alleinerziehende da: Im Jahr 2010 verfügten 40 Prozent aller Mütter ohne Partner über ein individuelles Nettoeinkommen von weniger als 1.300 Euro monatlich. 

 

Derart niedrige Entgelte treffen nur ein Fünftel der alleinerziehenden Väter.(4) Vor allem Alleinerziehende schaffen es kaum, ein ausreichend hohes Einkommen für die Familie zu erwirtschaften, ohne zusätzliche Sozialleistungen vom Staat zu beziehen.Während 2011 in Deutschland knapp elf Prozent aller Haushalte Arbeitslosengeld II bezogen, waren es unter den Alleinerziehenden-Haushalten knapp 40 Prozent.(5)

Auch Frau Wolke ist alleinerziehende Familienernährerin und würde ohne staatlichen Zuschuss trotz Erwerbstätigkeit finanziell nicht über die Runden kommen. Sie ist Angestellte im kaufmännischen Bereich und als Mutter von zwei Kindern besonders betroffen (3):

"Also ich muss aber dazu sagen, von meinem Gehalt könnte ich jetzt nicht wirklich alles bezahlen, ja. Ich kriege ja Unterhaltszuschuss, und das Kindergeld ist für mich da, also praktisch auf meinem Konto, aber ohne das würde es nicht gehen."
Frau Wolke

Die schlechte Einkommenssituation vieler Familienernährerinnen-Haushalte lässt sich übrigens nicht durch eine hohe Teilzeitquote der Frauen erklären. Jede zweite Familienernährerin arbeitet in Vollzeit. Ein gutes Drittel der Hauptverdienerinnen arbeitet in Teilzeit, während 17 Prozent arbeitsuchend bzw. nicht erwerbstätig sind. Wahrscheinlich ist der Anteil an alleinerziehenden Familienernährerinnen unter ihnen besonders hoch.

Gerade vor dem Hintergrund der wachsenden Gruppe an Frauen, die von ihrem Einkommen eine Familie zu versorgen haben, wird deutlich: Niedriglöhne werfen kein Familieneinkommen ab!

 
 
Infografik - Was verdienen Familienernährerinnen mit Partner?
 
 
 

2. Minijobs

Einen großen Anteil am Niedriglohnsektor hat die geringfügige Beschäftigung, meist Minijob oder 400-Euro-Job genannt. Im Jahr 2010 waren bundesweit rund 7,5 Millionen geringfügig Beschäftigte registriert, Tendenz steigend. Sie machen damit inzwischen einen Anteil von 20 Prozent aller Arbeitnehmer/innen aus. Vor allem in Westdeutschland ist der Anteil geringfügig Beschäftigter hoch: 87 Prozent arbeiten in den alten, 12 Prozent in den neuen Bundesländern.(6)

 
 
 

Minijobs sind weiblich

Zwei Drittel (63 Prozent) aller Minijobs werden von Frauen ausgeübt. Minijobs sind damit eine typisch weibliche Beschäftigungsform. Dies verwundert nicht, ist geringfügige Beschäftigung vor allem in den Branchen (Einzel)Handel, im Hotel- und Gaststättengewerben, im Gesundheits- und Sozialwesen und etwa in der Gebäudereinigung zu finden – in Branchen also, in denen besonders häufig Frauen beschäftigt sind. Der größte Teil dieser Arbeitsverhältnisse sind keine Aushilfsjobs und keine vorübergehenden Tätigkeiten (Daten in diesem Abschnitt: Bundesagentur für Arbeit Statistik Dez. 2010 sowie Quartalsbericht Minijobzentrale I/2011).

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat zudem herausgefunden, dass Minijobs über eine starke Klebewirkung verfügen. Obwohl Frauen einen Minijob häufig als Einstieg in den Arbeitsmarkt gerade nach familienbedingten Auszeiten vom Beruf nutzen wollen, schafft nur ein geringer Teil den Übergang in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse.(7)

 

Minijobs entpuppen sich damit als eine berufliche Sackgasse für Frauen, nach dem Motto „Einmal Minijob, immer Minijob“.

Der Anteil von Familienernährerinnen an allen Minijobberinnen ist bisher nicht bekannt. Sicher ist: Von 400-Euro-Jobs kann man – oder frau – keine Familie ernähren. Darüber hinaus bieten Minijobs keine oder eine nur unzureichende soziale Absicherung der Beschäftigten, auch im Alter. Vor dem Hintergrund von Familienernährerinnen sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse besonders kritisch zu betrachten. Sie drängen Frauen in die Rolle als „Zuverdienerin“ zu einem ausreichend hohen Familieneinkommen des Mannes, welches jedoch keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Viele Familien können nicht mehr auf einen existenziellen Einkommensbeitrag durch die Frau verzichten. Ob als Alleinerziehende, Ehefrau oder Partnerin – die „Zuverdienerin“ war gestern.

 
 

3. Teilzeitbeschäftigung

Im Jahr 2009 arbeiteten von gut 34 Millionen abhängig beschäftigten Menschen neun Millionen auf Teilzeitbasis. Teilzeitarbeit gilt als familienfreundliche Beschäftigungsform und ermöglicht es, Familie und Beruf zu vereinbaren. Das erklärt, warum vor allem Frauen häufig in Teilzeit arbeiten. Zwar betrug laut OECD (2010) die Beschäftigtenquote der Frauen im Jahr 2009 in Deutschland rund 65 Prozent, davon gingen jedoch 38 Prozent der Frauen einem Teilzeitjob mit weniger als 30 Wochenstunden nach. In Vollzeit umgerechnet, wären demnach nur 40 Prozent der Frauen erwerbstätig (Vollzeitäquivalente Beschäftigungsquote).

 

Während die in allgemeinen Statistiken ausgewiesenen Beschäftigungs- und Erwerbstätigenquoten bei Männern und Frauen eine Differenz von rund 10 Prozentpunkten verzeichnen, betrug der Unterschied der Vollzeitäquivalente fast 30 Prozentpunkte.(6) Ein hoher Erwerbsumfang ist zwar kein Garant, aber häufig Voraussetzung für ein existenzsicherndes Erwerbseinkommen.

 
 

Unfreiwillig in Teilzeit

Wo Beschäftigte eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit mit ihrem Arbeitgeber freiwillig ausgehandelt haben, ist dies wünschens- und begrüßenswert. Doch immer häufiger gibt es Frauen (und Männer), die unfreiwillig teilzeitbeschäftigt sind: Rund 21 Prozent aller neun Millionen Teilzeitbeschäftigten würden lieber mehr arbeiten. Zwei Drittel der rund zwei Millionen unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten sind Frauen.(6) Teilzeitbeschäftigung meint hier einen Arbeitszeitumfang von weniger als 32 Stunden pro Woche. Frauen sind also einerseits häufig unterbeschäftigt und andererseits bereit, einen größeren Beitrag zum Familieneinkommen durch eine Aufstockung ihrer Arbeitszeit zu leisten, in dem sie in Vollzeit bzw. vollzeitnah arbeiten.

Ein Beispiel dafür ist die 30-jährige Frau Heise, die als Arzthelferin 35 Stunden in der Woche arbeitet. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann, der langzeitarbeitslos ist sowie ihrem zweijährigen Sohn und trägt damit die finanzielle Hauptlast für die Familie.

 

Frau Heise würde sehr gerne ihre Arbeitszeit auf 40 Stunden aufstocken, schon allein um das niedrige Einkommen der Familie zu verbessern:

"Und sie hatte mich auch gefragt beim Einstellungsgespräch, wie ich arbeiten möchte. Ich sage, ’also unter 35 Stunden auf keinen Fall, weil das bringt mir nichts. Ich muss ja auch fahren, ja?’ Ich sage […] wenn möglich, natürlich 40 Stunden. Ja. Aber sie hat gesagt, ’wir machen erst mal bei 35 Stunden, es kommt ja auch immer auf die Patientenzahl an. Man kann ja nun nicht gleich --- ja?’"
Frau Heise

Arbeit für eine Vollzeitbeschäftigung wäre in der Arztpraxis allerdings vorhanden. De facto arbeitet Frau Heise nämlich pro Woche 37 statt der vertraglich vereinbarten 35 Stunden. Die regelmäßig anfallenden Überstunden werden jedoch weder zeitlich noch finanziell ausgeglichen.(3)

 
 

Arbeitszeitwünsche

Familienernährerinnen, die zu ihren Arbeitszeitwünschen befragt wurden, präferieren überwiegend wöchentliche Arbeitszeiten in einem Umfang von rund 30 Stunden. Familienernährerinnen, die nur in geringer Teilzeit arbeiten, würden gerne mehr arbeiten, während Familienernährerinnen, die Vollzeit arbeiten – und nicht selten von zusätzlichen Überstunden betroffen sind – gerne weniger Stunden in der Woche erwerbstätig sein würden.(3) Für die 30-jährige Frau Schmieder, die als Krankenschwester bei einem ambulanten Pflegedienst arbeitet, steht fest:

 

Wenn die Beschäftigungsbedingungen eine Vereinbarkeit erlauben, würde sie ihre Arbeitszeit lieber regulär aufstocken als ständig Überstunden leisten zu müssen.

"Also zu einer anderen Arbeitszeit, so von ... also eine Traumarbeitszeit von acht bis zwei oder von neun bis drei, na, das wäre natürlich wunderbar. Da würde ich auch gerne sechs Stunden gehen. Aber so, unter den Bedingungen, geht nicht mehr als vier."
Frau Schmieder

Mit diesen Wünschen sind die befragten Familienernährerinnen in den alten und neuen Bundesländern nicht allein.

 
 
 

Insgesamt wünschen sich deutschlandweit sowohl Mütter als auch Väter – unabhängig von der Erwerbskonstellation im Paar – eine Reduzierung ihrer jeweiligen Wochenarbeitsstunden. Einzig Elternpaare, in denen beide Partner nur Teilzeit arbeiten, wünschen sich eine Aufstockung der Arbeitszeiten. Hier lassen sich angesichts einer unfreiwilligen Teilzeitbeschäftigung finanzielle Gründe für den Wunsch nach einer Arbeitszeiterhöhung vermuten, wie das Beispiel von Familie Heise zeigt. Ein weiteres interessantes Ergebnis dieser Befragung der Eltern: Auch wenn sich Mütter kürzere Wochenarbeitszeiten wünschen als Väter, liegen die Arbeitszeitwünsche von Vätern und Müttern häufig gar nicht so weit auseinander. Die Wunscharbeitszeiten von Müttern und Vätern liegen in Deutschland demnach im Korridor zwischen hoher Teilzeit und gemäßigter Vollzeit.(9)/(10)

 
 

4. Entgeltlücke

Alle Jahre wieder – auch im Jahr 2011 – wird ein deutlicher Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten (Gender Pay Gap) von Frauen und Männern festgestellt. Frauen verdienen deutschlandweit im Durchschnitt 22 Prozent weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen. Das bedeutet, dass Frauen rund drei Monate länger arbeiten müssen, bis sie auf das Gehalt ihrer Kollegen kommen. Selbst bei gleicher Qualifizierung und Tätigkeit verdienen Frauen noch 8 Prozent weniger als Männer (2006). Laut Statistischem Bundesamt (2012) verdienten Frauen zudem in keinem einzigen Wirtschaftszweig mehr als Männer. Auffällig ist: Die Entgeltlücke fällt in Ostdeutschland mit sechs Prozent deutlich geringer aus als im Westen der Republik mit 25 Prozent.(11) Hier spiegelt sich die höhere Erwerbsbeteiligung ostdeutscher Frauen wider. Frauen haben es vor allen in den alten Bundesländern deutlich schwerer, im gleichen Job ein ähnlich hohes Erwerbseinkommen zu erzielen wie ihre männlichen Pendants.

Auch die befragten Familienernährerinnen können von Erfahrungen mit direkter Lohndiskriminierung im Betrieb berichten.(3) Frau Hase arbeitet als Werkzeugschleiferin in der Metallbranche. Ihr Mann, der Kraftfahrer ist, und sie haben einen 13-jährigen Sohn (3):

 

"Wir haben auch ganz dolle Lohnunterschiede in der Firma. Und da ist es eben auch so, dass die Frauen eigentlich weniger verdienen wie die Männer. Obwohl sie die gleiche Arbeit machen und manchmal sogar noch höher qualifiziert sind. Und er sagt ja natürlich, der Chef, das war vor seiner Zeit. Dafür könne er jetzt nichts."
Frau Hase

Ungleiche Bezahlung bei gleicher Leistung und gleicher Qualifikation ist nicht zu rechtfertigen. Das steht im Einklang mit den Einstellungen der deutschen Bevölkerung, wie das BMFSFJ herausfand. Empirische Ergebnisse im Auftrag des Ministeriums zeigen, dass sowohl unter der weiblichen als auch unter der männlichen Bevölkerung ein großer Konsens darüber besteht, dass eine ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit zur Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern führt und eine gleiche Bezahlung unabdingbar ist.(12)

Die Reduzierung der geschlechtsspezifischen Entgeltlücke würde Familienernährerinnen helfen, finanziell besser über die Runden zu kommen und zu fairen Chancen auf dem Arbeitsmarkt beitragen.

 
 

5. Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen

Ähnliche berufliche Benachteiligungen zeigen sich für Frauen im Bereich der Top Jobs. Nach wie vor sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert, wie Studien der Hans-Böckler-Stiftung belegen: Nur drei Prozent aller Vorstände und zehn Prozent der Aufsichtsräte sind weiblich.(13) Laut Statistischem Bundesamt war im Jahr 2011 nur knapp jede dritte Führungskraft eine Frau. Hinzu kommt, dass Frauen häufig Berufe im Bereich der personennahen Dienstleistungen ausüben, etwa Krankenschwester oder Erzieherin, die sich nur durch geringe Aufstiegschancen auszeichnen. An dem Beispiel von Frau Hecht, die – trotz einer qualifizierten Berufsausbildung – als ungelernte Kraft in einer Betriebsgastronomie eingestellt ist, wird deutlich, dass Frauen auch in gewöhnlichen Betrieben geringe Aufstiegschancen haben (3):

"An und für sich haben wir ja hier Leitungsfunktionen gehabt, die besetzt werden müssten. Die aber komischerweise nicht besetzt werden. Die sind offen, diese Stellen. Und ich denke auch, dass ich da von meiner Ausbildung her durchaus befähigt bin.

 

Aber der Betrieb möchte es nicht. So. Also ich habe zweimal nachgefragt und ich habe auch zweimal eine Absage gekriegt. Es gibt keine Aufstiegschancen."
Frau Hecht

Zur Begründung für die beschriebene Situation können tief verankerte und vielfältige Vorbehalte gegen Frauen von Männern in Führungspositionen und die existierenden Männerituale auf Spitzenebene herangezogen werden. Sie agieren noch immer zum Teil unbewusst als Hüter der gläsernen Decke.(14)

Viele der befragten Familienernährerinnen in Ost- und Westdeutschland sind unterhalb ihres Qualifikationsniveaus beschäftigt und versprechen sich berufliche Aufstiegs- und Verbesserungspotenziale mittels einer beruflichen Weiterbildung. Vor dem Hintergrund der deutschen Wiedervereinigung haben viele Familienernährerinnen vor allem in Ostdeutschland Erfahrungen mit Dequalifizierung gesammelt und wünschen sich eine bessere Integration sowie verbesserte Aufstiegschancen im Betrieb.(3)

 
 

Was die Beschäftigungs- und Lebensbedingungen von Frauen, die ihre Familie ernähren, verbessern würde?

Das Projekt „Familienernährerinnen“ hat eine Roadmap (politischen Fahrplan) mit politischen und betrieblichen Handlungsoptionen erarbeitet, die zu einer Verbesserung der Situation von Familienernährerinnen im Besonderen und zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Allgemeinen beitragen können.

 

Zur Roadmap (PDF-Dokument, 231.9 KB)

 
 

 
DGB Frauen
 

familie.dgb.de
 

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